Schmauchspuren, Gedichte von A.J. Weigoni

Die Lyrik ist ein Ghetto. Wie sieht jedoch eine Gesellschaft aus, in der Gedichte keinen Platz mehr haben? Poesie hat mit Moral zu tun, mit Kult, mit dem Innersten eines Volkes, mit der Wahrheit, sie ist das Zwielicht der Zukunft, die kleine Ration Ewigkeit, die der Mensch in jenen seltenen Momenten finden kann, in denen die Zeit stillsteht, sich auflöst. Augenblicke der Erlösung.

Als Poet reflektiert A.J. Weigoni die Begrenztheit und Möglichkeiten des Individuums zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Dieser VerDichter versteht sich selbst als Instrument, als Medium, das widersprüchliche Stimmen sammelt und der Krise der Zivilisation Ausdruck verleiht. Lyrisch kreist sein Schreiben um den Schöpfungsvorgang einer rein immanenten Welt und zuweilen hat man den Eindruck als handele es ich bei diesen VerDichtungen um Mikro-Essays. Der neue Gedichtband von Weigoni ist ein Exerzitium der Atemgebung. Die Sprache der Musik wird eins mit der Musik seiner Sprache, in einem Nuancenreichtum und einer gesamtkunstwerklichen Breite, die keine Grenzen zu kennen scheint. Hier ein Flüstern, ein kaum vernehmbarer Seelenhauch, den Weigoni gleich noch einmal expressiv zurücknimmt. Dort wuchtige Ausbrüche, die sich steigern, bis in höchste Erregung und letzter Verzweiflung. Es geht um ein Freiwerden der Dinge durch die Worte und zugleich von den Worten.

In diesem Band verdichtet sich die Essenz eines turbulenten Denkens. Weigonis Poesie leidet nicht unter dieser Analyseschärfe, im Gegenteil. Dies hat der theoretisch bewandte Lyriker auch mit einem Essay untermauert. Wir sind auf dem nichthermeneutischen Feld; dort, wo Friedrich Kittler von sensibilité intellectuelle zu sprechen begann. Weigonis Gedichte betreiben Sprech- und Sprachspiele, die aus den Klangähnlichkeiten und Bedeutungsunterschieden Funken schlagen, Selbst- und Mitlaute fließen dabei in stetem Wort- und Klangwandel mit. Er dringt vor zum innersten Kern allen Sprachempfindens. Diese Gedichte imaginieren diesen Moment der innehaltenden Zeit als eine Erlösung, die nur um den Preis eines erfüllten, eines durchgestandenen Lebens zu haben ist.

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»Schmauchspuren«, Gedichte von A.J. Weigoni, Edition Das Labor, Mülheim 2015 – Limitierte und handsignierte Ausgabe des Buches als Hardcover

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Ein Kommentar

  1. Matthias Hagedorn

    Eine ausführliche Würdigung des Gedichtbandes “Schmauchspuren” finden Sie hier: http://www.editiondaslabor.de/blog/?p=27376

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